Zum Tod von Wolfgang Zacharias

Querdenker und Weltvermesser

Der Bundesverband der Jugendkunstschulen und Kulturpädagogischen Einrichtungen e.V. (bjke) trauert um seinen Gründungsvorstand Dr. Wolfgang Zacharias (geb. 28.10.1941, gest. 26.04.2018) der am vergangenen Donnerstag völlig unerwartet in München verstorben ist.

Mit Wolfgang Zacharias verliert die Bundesrepublik einen ihrer kreativsten Köpfe und den womöglich umtriebigsten, nachhaltigsten und unermüdlichsten Schöpfer und Vernetzer kulturpädagogischer Innovationen im Bildungswesen.
Selbst ausgebildet als Kunsterzieher, jedoch von Beginn an schulkritisch, hat der einer Kunsterzieherfamilie entstammende Querdenker die außerschulische Kulturpädagogik seit Anfang der 1970er Jahre vom Kopf auf die Füße gestellt und sich mit unbändiger Energie und kongenialen Netzwerkpartnern vom Vordenker zum Wegbereiter vormals ungekannter Projektmethoden und Bildungslandschaften entwickelt.

Wolfgang Zacharias hat den bjke 1983 mitgegründet und dem Bundesvorstand von Beginn bis 2017 34 Jahre lang als stellvertretender Vorsitzender angehört. Er war der listig-strategische Patron des Namensbestandteils „Kulturpädagogische Einrichtung“, weil er wusste und besiegelt wissen wollte, dass das kulturpädagogische Feld sich niemals abschließend beschreibt. Er war immer im Aufbruch und nie fertig, selten zufrieden, nie selbstzufrieden und überall groß im Gönnen, Ermöglichen und Ausspähen neuer Suchwege. Unzählige Neuerungen verdanken ihm Anschub und Kontur: Museumspädagogik, Spielkultur, Zirkuspädagogik, Kindermuseum, Kommunale Gesamtkonzepte, Mobile Spielanimation, Stadtteilkultur, Sense & Cyber sowie – in Theorie und Praxis – das Innovationsganze der Kulturpädagogik selber. Legendär sind seine publizistischen Expeditionen zur horizontalen und vertikalen Weltvermessung.

Generationen kulturell Bildender sind durch seine Schule gegangen, er hat die Bildungs- und
Bilderwelt so nachhaltig geprägt wie kaum ein anderer. Menschlich von großer Herzenswärme und enormer Empathiefähigkeit, hat er viele und vieles sehen gelehrt und – selbst Augenmensch – tausende Augen geöffnet. Sein humanistischer Hedonismus wird uns fehlen.
Wir sind dankbar, über dreieinhalb Jahrzehnte und durch die halbe Welt das große Glück unzählbarer Gemeinsamkeiten geteilt und genossen zu haben. Seiner Familie wünschen wir inmitten der Trauer die Kraft zum Atemholen und den Mut und die Zuversicht, sich trösten zu lassen.

Unna, den 30. April 2018
Vorstand und Geschäftsstelle des Bundesverbands der Jugendkunstschulen
und Kulturpädagogischen Einrichtungen e.V.