Claudia Roth erneut im KUNSTbeTRIEB

Gespräche über die Situation von Jugendkunstschulen in Bayern

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (B90/Grüne) hat ihr Versprechen eingelöst, das sie beim Besuch der Jugendkunstschulen in Cham und Weiden im vergangenen Jahr gegeben hatte: Am 16. September besuchte sie den KUNSTbeTRIEB Cham am neuen Standort im Kulturzentrum CHA13. Kunstschulleiter Andi Dünne empfing neben ihr auch eine Delegation um den Grünen Chamer Landtagskandidaten Michael Doblinger.

Im Zentrum des Interesses stand die Druckwerkstatt des KUNSTbeTRIEBS. Andi Dünne ist es gelungen, eine Sammlung historischer Druckmaschinen mit einer kompletten Ausstattung von Setzkästen in das neue Domizil zu bringen. Hier können BesucherInnen der Jugendkunstschule aktiv mit den originalen, teils über hundert Jahre alten Maschinen künstlerisch und kreativ arbeiten. Hier zeigt sich, dass die Pflege und das Bewahren alten Handwerks in einer Jugendkunstschule einen hohen Stellenwert einnehmen kann.

Umso überraschter zeigte sich Claudia Roth als Andi Dünne berichtete, dass er den KUNSTbeTRIEB weitestgehend in Eigenleistung betreibt und für seine Druckerei keine öffentliche Förderung erhält: „Alles steht und fällt damit, dass ich morgens gesund aufstehe und immer weiter mache.“ Die Probleme der Jugendkunstschulen in Bayern – ihre fehlende gesetzliche Verankerung und der daraus folgenden mangelnden Institutionalisierung – war das Thema der Gespräche, an denen unser zweiter Vorsitzender Michael Witte teilnahm. Wie bei Andi Dünne in Cham hängt das Wohl und Wehe von Jugendkunstschulen, insbesondere im ländlichen Raum Bayerns – vom Engagement einzelner Personen und ihrem Durchhaltevermögen ab. Der LJKE-Bayern e.V. hat evaluiert, dass rund ein Drittel der Bayerischen Einrichtungen eine negative oder sehr negative Bestandsperspektive hat.

„Wie steht es denn mit der Teilhabe?“ Diese Frage der Bundestagsvizepräsidentin beantwortete Michael Witte: „Bei fehlender Institutionalisierung, sind die Akteure mit ihrem idealistischen Gepäck unterwegs. Sie müssen betriebswirtschaftliche Erwägungen außen vorlassen und sich ‚Teilhabe‘ buchstäblich aus den Rippen schneiden. Dass sie dies tatsächlich oft tun, ist ein weiterer Grund für ihre prekäre Situation.“

Die mangelnde Nachhaltigkeit qualitätvoller, kultureller Bildungsangebote für die Menschen in Bayern (die Sparte Musik ausgenommen) war für alle BesucherInnen ein ernüchterndes Fazit. Der Landesverband konnte in diesem Jahr jedoch durch Gespräche mit kommunalen VertreterInnen und mit allen im Landtag vertretenen Fraktionen wieder kleine Fortschritte erzielen, die, so ist zu hoffen, in kurzer Zeit nachhaltige Strukturverbesserungen bringen. Viel Zeit hat die lebendige bayerische Jugendkunstschullandschaft nicht mehr. Bis Bayern den Anschluss an andere Bundesländer wie Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen schafft, ist es ein sehr weiter Weg. Mit dem „Kloßrezept für gelungene kulturelle Bildung in Bayern“ ist der LJKE Bayern aber bereits einen wichtigen Schritt in Sachen Strukturförderung gegangen.

Bildnachweis: Chamer Zeitung